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Copy not have – oder der Weg zum Führerschein in Thailand

  • Autorenbild: Renke Schulz
    Renke Schulz
  • 23. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Moin moin und Sawadee krap,


Bürokratie. Allein das Wort ist im Deutschen schon sperrig genug. Am Ende muss man eben dieser jedoch zugestehen, dass sie zwar überwältigend und undurchsichtig ist, dann doch aber zumindest einer gewissen Logik folgt – und hoffentlich auch einer Notwendigkeit.

Nun lebe ich allerdings nicht mehr in Deutschland, sondern in Thailand. In einem Land, in dem vieles einfach irgendwie funktioniert. Doch auch hier gibt es Bürokratie. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass eine Antragstellung in Thailand aus mehr Dokumenten besteht als in Deutschland – und man eigentlich nur einen Bruchteil davon tatsächlich ausfüllen muss. Den Zaubertrick erfahrt ihr gleich.

Doch zuerst muss ich etwas gestehen. Zu Thailand gehört auch, dass Regeln und Vorgaben oftmals die Papierebene der Bürokratie nie verlassen. Und genau so kann es passieren, dass man auch fünf Jahre lang ganz gut ohne Führerschein auskommt. Effizient gelebte Bürokratie, könnte man sagen.

In diesem Fall jedoch hatten die Vorgaben eine tatsächliche Notwendigkeit – und sogar einen Sinn. Also war es endlich so weit. Ich entschied mich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, anstatt eine Agentur damit zu beauftragen. So kompliziert konnte es schließlich nicht sein, dass man andere dafür bezahlen müsste.

Ganz allein war ich bei der Durchführung dann aber doch nicht. Meine Kollegin hat eine exzellente Vorarbeit in Sachen Dokumente und Terminvereinbarungen geleistet. Meinen deutschen Kfz-Führerschein konnte ich einfach umschreiben lassen – das war also tatsächlich nicht kompliziert. Und um den Motorradführerschein inklusive ausreichender Fahrpraxis erfolgreich zu bekommen, konnte ich ja immerhin bereits auf drei Jahre ausgiebige Erfahrung in den Straßen von Bangkok verweisen.

Also auf zum Verkehrsamt, bewaffnet mit einer Handvoll Dokumente, die ich nicht lesen konnte. Als weitere Vorbereitung musste man sich online ein Video über die Verkehrsregeln in Thailand anschauen.

Guter Dinge und mit der Hoffnung auf eine zügige Abwicklung prallte ich dann direkt am ersten Checkpoint der thailändischen Bürokratie ab. Während es in Deutschland unendlich viele unterschiedliche Dokumente auszufüllen gibt, braucht man in Thailand weniger Exemplare – die wenigen dafür aber umso häufiger als Kopie. Offenbar hatte ich irgendein Dokument nicht oft genug in doppelter Ausführung vorgelegt und wurde wieder weggeschickt, noch bevor ich das Gebäude überhaupt betreten durfte.

Es schien sich jedoch um ein bekanntes Problem zu handeln, denn auf der anderen Straßenseite befanden sich gleich drei (!!!) Kopiergeschäfte. Man fühlt sich als Ausländer gleich ein wenig weniger unwissend, wenn die hiesigen Vorschriften nicht nur für einen selbst schwer durchschaubar sind.

Also die vermeintlich fehlenden Dokumente kopiert und wieder angestellt. Die Warteschlange zog sich erneut über knapp hundert Meter – morgens um sieben Uhr. Die nette Dame erkannte mich wieder, blätterte sich durch die unzähligen Seiten und lehnte mich erneut ab, den Finger auf ein Blatt legend, mit der knappen Bemerkung:

„Copy not have.“

Ich hätte argumentieren können, dass ich meines Wissens nach dafür keine Kopie benötige. Doch man passt sich an, lächelt unschuldig und watschelt zurück. Kopiert einfach alles in zehnfacher Ausführung, stellt sich erneut an – und wird durchgewunken.

Der erste Akt war komplett.

Die weiteren Stationen waren dann recht unspektakulär. Auch beim wiederholten Anschauen des Videos konnte ich mir die immense Diskrepanz zwischen dem beispielhaften Verkehrsverhalten im Video und meiner vierjährigen Verkehrserfahrung nicht ganz erklären. Doch man passt sich an, lächelt in die Runde, sieht, wie der Nachbar in der Warteschlange sich gerade streckt und aus seinem Mittagsschlaf aufwacht, und versteht die Abweichung sofort.

Dann ging es zum Testen der Reaktions- und Sehfähigkeit, bei dem das Benutzen der thailändischen Vokabeln die größere Herausforderung darstellte.

Dazwischen viel Anstehen an Schaltern und Sitzen in Warteräumen, immer bedacht, denselben Prüflingen und Mitabsolventen hinterherzulaufen, um sich nicht zu verirren.

Und wie aus dem Nichts sitzt man plötzlich beim Fotoshooting für den Führerschein. Wieder lächeln – das hatten wir schon ausgiebig geübt – und schon hielt ich zwei Führerscheine in der Hand. Einen für das Auto, einen für das Motorrad. Der 2. Akt war an seinem Spannungsbogen angekommen.

Jetzt bloß nicht die Contenance verlieren und nachfragen, warum man den Führerschein ohne praktischen Test ausgestellt bekommt. Einfach lächeln und gehen, angepasst wie ein Profi.

Trotzdem rief ich meine Kollegin an und fragte, ob wirklich alles so seine Richtigkeit habe – schließlich hatte sie die Dokumente ausgefüllt. Ihre Antwort brachte es perfekt auf den Punkt:

„Nein, da ist auf jeden Fall etwas falsch gelaufen. Aber du hast ja alles, was du willst. Also kannst du gehen.“

Daraufhin machte ich mich schlussendlich mit einem natürlichen und überaus breiten Grinsen von dannen. Der Trick war vollbracht.

Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte ich in meinem Kopierwahn offenbar sämtliche Anträge vervielfältigt – sodass auch mein nicht vorhandener deutscher Motorradführerschein ins Thailändische übertragen wurde.


Nun, welche Agentur hätte dieses Kunststück wohl für mich vollbringen können?

Am Ende hätten sie sich vermutlich doch an den deutschen Weg der Bürokratie gehalten.

Anfänger.



Nachdem man den Führerschein in Thailand erfolgreich erhalten hat, kann man ihn in eine App einpflegen und sogar digital immer in der Hosentasche mit sich führen.

An dieser Stelle kann sich die deutsche Bürokratie offenbar noch einiges von der thailändischen abschauen – und zum Glück handelt es sich dabei nicht um die Zauberei des Kopierens.


Mit regelkundigen und unendlich kopierten Grüßen aus Bangkok,

Renke

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